Informationen zur Gemeinde Königswartha
 

Die Lausitz gehört zu den interessantesten Regionen Deutschlands. Dazu trägt nicht zuletzt ihre landschaftliche Vielgestalt bei. Im Norden der Oberlausitz, bereits im flachen Land und 20 Kilometer von Bautzen entfernt, liegt die Gemeinde Königswartha. Zumindest die Ortsnamensschilder in deutscher und sorbischer Sprache weisen den Besucher darauf hin, dass diese Gemeinde zum zweisprachigen Gebiet der Oberlausitz gehört.

Landsachaft

Einem Gürtel gleich umschließen weite Heideflächen und eine große Anzahl von Teichen die Gemeinde. Über 80 Teiche, etwa 500 Hektar Wasserfläche, die vorwiegend teichwirtschaftlich genutzt werden, begründeten den Ruf von Königswartha als Ort der Karpfenzucht.

Im Nordosten und Südosten berühren die einzigen Hügel der Umgebung die Gemeindefluren. Das betrifft einerseits den durch die Schlacht gegen Napoleon von 1813 bekannten Eichberg und andererseits die Hahneberge, wo der Sage nach noch die Ritter schlafen.

Nachdem sich die in den Bergen zwischen Neukirch und Gaußig entsprungenen Bäche in den fruchtbaren Gebieten des Lausitzer Gefildes zum Schwarzwasser vereinigen, durchfließt dieses Flüsschen von Neschwitz kommend unseren Ort. Nur in seiner unmittelbaren Nähe wird das Schwarzwasser hier von etwas fruchtbareren Böden begleitet.

Die Orte Oppitz, Johnsdorf, Neudorf, Niesendorf, Eutrich, Entenschenke, Truppen, Commerau, Caminau und Wartha umschließen mit einer stärkeren Ausdehnung nach Osten und Westen das verkehrsmäßig günstig gelegene Königswartha, das der Gemeinde als zentraler und größter Ort den Namen gab. Seit der Reformation überschreiten aber die Grenzen der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde die Grenzen der politischen Gemeinde beträchtlich, da zur Kirchgemeinde noch andere Grundherrschaften gehörten. Deshalb ist für die evangelischen Einwohner der Dörfer und Ansiedlungen Steinitz, Neusteinitz, Kolbitz, Ballackmühle, Weißig und Hermsdorf ebenfalls Königswartha der Kirchgemeindeort.

Kirche

Zwei Fragen erhitzten in der Vergangenheit immer wieder die Gemüter: Wie alt ist Königswartha? War Königswartha eine Stadt?

Die erste Frage ist immer noch nicht eindeutig zu beantworten. Derzeit sollte man sich jedenfalls nach dem Jahr der schriftlichen Ersterwähnung richten. Und dies ist wohl das Jahr 1350. Zu diesem Zeitpunkt wird das "stetlin" Conigswarte erstmalig schriftlich erwähnt. Als Warte an einem Verkehrsweg war diese Siedlung angeblich zwischen 1200 und 1300 eine Domäne der böhmischen Könige. Als Siedlungsort ist Königswartha allerdings um vieles älter. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. siedelten hier Sorben. Der sorbische Ortsname "Rakecy", der als seltener Fall in der zweisprachigen Lausitz nicht mit dem deutschen Ortsnamen inhaltlich identisch ist, wird auf die Begriffe "Rakovici" (Leute des Krebs) oder "Rakovica" (Krebsort) zurückgeführt. Aber auch die Sorben waren hier nicht die ersten Siedler. Archäologische Funde, zum Teil bekannt unter dem Namen "Königswartha subterranea", weisen besonders auf eine anders geartete Besiedlung zur Bronzezeit hin. Belege für eine historisch sehr frühe Besiedlung waren nicht nur in Königswartha, sondern auch auf den Fluren anderer Ortschaften, wie z. B. Caminau und Eutrich, zu finden.
Klare Beweise für ein früher verliehenes Stadtrecht an Königswartha gibt es nicht, auch wenn Größe, Lage und Zeitpunkt der Anlage des Marktplatzes, das Marktrecht und die Erwähnung eines "stetlins" dafür sprechen, dass Königswartha im Mittelalter die Bedeutung eines Städtleins erlangt hatte.

Der Anteil sorbisch sprechender Einwohner ist in der Gemeinde Königswartha im Vergleich zur Vergangenheit erheblich gesunken, obwohl die Vorfahren vieler Einwohner sorbischer Herkunft waren oder sind.

Bei einer statistischen Erhebung im Jahre 1884 wurde von Prof. Mucke in der Gemeinde Königswartha noch ein Bevölkerungsanteil von 91 % Sorben ermittelt!

Die Deutung mancher Flurnamen in der reizvollen Umgebung ist oft nur mit Hilfe der sorbischen Sprache möglich. Sie sind deshalb als erstes zu übersetzen, wenn wir etwas über unsere Vorfahren erfahren möchten. Ferner sollten wir an den zwischen Sachsen und Preußen zu findenden Grenzsteinen, den granitenen Wegweisern, Steinkreuzen und Kreuzsteinen nicht achtlos vorbeigehen. Sie markieren die ehemalige Grenze. Viele Geschichten und Sagen erhielten sich dort lebendig und wir werden erinnert, wie viel wir von der Vergangenheit zu lernen haben.

Mehr wissen wir von den Denkmalen der Baugeschichte, zu denen in der Gemeinde sicher das Schloss, die Kirche mit dem in der Umgebung weit sichtbaren Turm, das Marktplatzensemble, die Chausseegeld-Einnahme, manches Wohnhaus, Gehöft oder auch Nebengebäude (auch in den umliegenden Ortschaften) zu zählen sind. Diese Bauten, aber auch manche Flurstücke, die reizvolle Natur mit dem Reichtum an seltenen Pflanzen und Tieren, seien es Orchideen oder Teichrosen, Fledermäuse oder Seeadler, manche Verweise auf technische Entwicklungen sowie viele schriftliche und bildliche Zeugnisse der Vergangenheit sollten bewahrt und auch geschützt werden. Das sollte uns Verpflichtung sein, der wir gern nachkommen.

Dr. arg. habil. Günter Merla - Chronist der Gemeinde Königswarha

 

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